Kursinhalt
Publikum – Wer ist gemeint?
Wer verbirgt sich hinter dem Begriff Publikum? Über welche drei Kategorien lässt sich das Publikum differenziert betrachten? Welche grundlegenden Handlungsempfehlungen lassen sich für die drei Kategorien ableiten?
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(Nicht-)Publikum kennenlernen: Perspektivwechsel
Wie erweitert man sein Wissen über Publikum und Nicht-Besuchende? Wie kann die Persona-Methode das Verständnis für bestimmte Personengruppen vertiefen?
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Methodenkoffer
Welche Methoden hält die (Nicht-)Besuchendenforschung bereit?
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Zielgerichtete Kontaktaufnahme mit dem Publikum
Wie kann das (Nicht-)Publikum zielgerichtet, ressourcen- und bedarfsorientiert in den Blick genommen werden?
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Ausblick: Planung ist alles!
Wie behält man trotz komplexen Vorgehens den Überblick? Welche agilen Tools eignen sich zur Förderung von Planung und Transparenz im Team?
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Abschluss
Was waren zentrale Fakten und Informationen in diesem Modul?
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Praxiswerkzeuge für die publikumszentrierte Kulturarbeit
Lektion

Fallbeispiel: Nehmen wir an…

Ausgangssituation: Eine Kulturinstitution auf dem Weg zur Öffnung

Eine Kulturinstitution plant, sich weiter zu öffnen und ihr Kulturprogramm zu verändern, um bislang unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen anzusprechen und mit ihnen in Dialog zu treten. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf der Förderung kultureller Teilhabe von Kindern und Jugendlichen liegen. Die Institution verfügt bereits über eine gewisse Kenntnis ihres Stammpublikums, da sie seit zwei Jahren regelmäßig kleinere (quantitative) Umfragen mittels Fragebogen im eigenen Haus durchführt. Auch eine Besuchendenstatistik wird über die Anzahl der verkauften Tickets erfasst. So hat das Haus einen Überblick über seine Besuchszahlen, seine Publikumsstruktur und auch erste Einblicke in Besuchsmotivation und Bedarfe.

Bestehende Datenerhebung: Umfragen und Besucherstatistik

Eine Umfrage mit einem standardisierten Fragebogen könnte so aufgebaut sein (oder auch nur einzelne Teile davon beinhalten):

Leitfaden und Beispiel | Schriftliche Befragung

 

Einen Leitfaden zum Erstellen einer Besuchendenstatistik findest du hier:

Leitfaden | Besuchendenstatistik

 

Neue Perspektiven: Feedback von Nicht-Besuchenden

Die Kulturinstitution möchte nun aber auch Feedback von bisherigen Nicht-Besuchenden. Kennen die Bewohner:innen der Stadt die Institution überhaupt? Wie denken sie über sie? Wissen sie, welche Programme angeboten werden?

Das Stimmungsbild: Mobile Befragung im öffentlichen Raum

Für ein erstes Stimmungsbild (qualitativ und quantitativ) nutzt das Team der Institution eine schnell umsetzbare Erhebungsmethode. Mit zwei mobilen Stellwänden und darauf angebrachten Fragen begeben sie sich auf öffentliche Plätze unweit der Institution. Sie kommen mit Menschen ins Gespräch und gewinnen wertvolle erste Anhaltspunkte über verschiedene Bedarfe in der Stadtgesellschaft.

Den Leitfaden zum Erstellen einer Stimmungsbild-Stellwand inklusive eines Beispiels findest du hier:

Leitfaden und Beispiel | Stimmungsbild

 

Vertiefende Analyse: Das Fokusgruppengespräch

Im nächsten Schritt möchte die Kulturinstitution die gewonnenen Informationen vertiefen. Zu diesem Zweck lädt sie zu einem (qualitativen) Fokusgruppengespräch ein. Ziel ist es, mit Repräsentant:innen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu sprechen und deren Meinungen zur Kulturinstitution, ihrem Bildungsauftrag sowie ihrem Programm einzuholen. Auf der Liste der potenziellen Gäste stehen: Vorstände ortsansässiger migrantischer Kulturvereine, Sport- und Musikvereine, Geschäftsführer:innen sozialer und karitativer Verbände (z.B. Lebenshilfe, Diakonie, AWO, Behindertenverbände), kommunale Vertreter:innen der Stadt (Diversitätsbeauftragte, Beauftragte für Soziales) sowie Vertreter:innen aus der Jugendhilfe und dem Jugendgemeinderat.

Die Methode Fokusgruppengespräch findest du zusammengefasst hier:

Leitfaden | Fokusgruppengespräch

 

Detailierte Einblicke: Leitfadengestützte Einzelinterviews

Die Kulturinstitution hat nun eine Vielzahl von Meinungen und Perspektiven gesammelt. Einige Aspekte und Anregungen waren besonders interessant und sollen nun in einer Reihe von Einzelinterviews aufgegriffen und eingehender betrachtet werden. Um die Interviews zu einem späteren Zeitpunkt gut miteinander vergleichen zu können, eignet sich die Methode des leitfadengestützten Interviews. 

Was ein leitfadengestütztes Interview ausmacht, wie du es vorbereitest und wie du es führst, findest du hier:

Leitfaden | Leitfadengestütztes Interview Download Canvas | Leitfadengestütztes Interview 

 

Jugend im Fokus: Die Gruppendiskussion

Während der Einzelinterviews wurde klar ersichtlich, dass die Mehrheit der interviewten Personen ein starkes Interesse an der Förderung der kulturellen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen hat. Dieses Interesse teilt die Institution, möchte es weiter verfolgen und daher nun im nächsten Schritt direkt mit Jugendlichen in Austausch kommen. Für welche Themen interessieren sie sich? Wie gestalten sie ihre Freizeit? Wie nehmen sie die Kulturinstitution wahr? Gibt es etwas, was sie sich von der Kulturinstitution wünschen?

Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, organisiert die Institution eine Gruppendiskussion mit Jugendlichen von 14–16 Jahren. Hierzu nimmt sie Kontakt zum ortsansässigen Jugendzentrum, dem Jugendgemeinderat und der örtlichen Schülervertretung auf, wobei Schlüsselpersonen wie Sozialarbeiter:innen oder Schulpersonal die „Türe ins Feld“ öffnen können. 

Die Methode Gruppendiskussion findest du hier zusammengefasst:

Leitfaden | Gruppendiskussion

 

Fazit: Von der Forschung zur Umsetzung

Nach dieser Reihe von aufeinander aufbauenden Erhebungen und Gesprächen hat die Kulturinstitution zahlreiche Erkenntnisse über Bedürfnisse gewonnen sowie Barrieren, Empfehlungen und Möglichkeiten zur Förderung von kultureller Vielfalt und Teilhabe identifiziert. Darauf kann sie nun aufbauen, ihr Wissen interpretieren und im nächsten Schritt des Prozesses konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmen ableiten. Sie hat jederzeit die Möglichkeit, erneut auf Methoden der (Nicht-)Besuchendenforschung zurückzugreifen, um den Dialog mit Personengruppen aufrechtzuerhalten oder tiefer in spezifische Themen einzusteigen.


Das Fallbeispiel hat gezeigt, dass die Wahl einzelner Forschungsmethoden sowie ihre Kombination immer vom Kontext und dem spezifischen Forschungsziel abhängig sind. Zudem sind die Faktoren Zeit und verfügbare Ressourcen   mitzubedenken. Kurz: Welches Wissen soll aus welchem Grund erzeugt werden? Wie schnell soll dieses Wissen gewonnen werden? Und wer kann die Forschung mit welcher Methodenkompetenz durchführen? 

Kleinere qualitative Untersuchungen wie etwa Fokusgruppen- und Gruppengespräche oder auch ein Stimmungsbild im öffentlichen Raum liefern wichtige Impulse und öffnen den Weg für neue Perspektiven. Möchte eine Institution eine repräsentative Besuchenden- oder Nicht-Besuchendenbefragung starten, ist es zumeist sinnvoll, externe Unterstützung durch eine Agentur oder auch eine Hochschule als Kooperationspartner:in in Anspruch zu nehmen.

Übungsdateien
05_02_KuLO_AD_Leitfaden_Fokusgruppengespraech.pdf
Größe: 168,52 kB
05_02_KuLO_AD_Leitfaden_Stimmungsbild.pdf
Größe: 186,67 kB
05_02_KuLO_AD_Leitfaden_Schritfliche-Befragung.pdf
Größe: 236,53 kB
05_02_KuLO_AD_Leitfaden_Leitfadengestuetztes-Interview.pdf
Größe: 234,30 kB
05_02_KuLO_AD_Leitfaden_Gruppendiskussion.pdf
Größe: 168,17 kB
05_02_KuLO_AD_Leitfaden_Besuchendenstatisktik.pdf
Größe: 168,52 kB
05_02_Fragebogen_130823_interaktiv.pdf
Größe: 205,48 kB