Die Rolle von Kulturinstitutionen
Durch die Digitalisierung von Kulturgütern und infolgedessen der Verfügbarmachung zur gemeinfreien Nutzung wird nicht nur eine digitale Sichtbarkeit der Bestände für (Fach-)Publikum gewährleistet, sondern auch der Verantwortung in zeitgemäßer Form Rechnung getragen, kulturelle Teilhabe für unterschiedliche Publika zu ermöglichen (vgl. Euler, 2019).
Mittels offener Objektdatenbanken können Interpretationsräume für Wissenschaft und Forschung sowie für interessierte Laien erweitert werden. Die Objektdaten kommen somit auch der Öffentlichkeit zugute, die über ihre Nutzung mitbestimmt.
Wie sich hierdurch auch die Ansätze für Vermittlung innovativ verändern können, zeigen eindrucksvoll die Projekte, die im Rahmen des Kultur-Hackathons „Coding da Vinci“ entwickelt wurden.
codingdavinci.deDie Gesellschaft und ihre Bedarfe verändern sich stetig und treiben dadurch auch die technischen Entwicklungen immer weiter voran. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, ob sich der Einsatz von Virtual Reality bzw. Augmented oder Mixed Reality in der Kulturarbeit als digitaler Erfahrungsraum durchsetzen wird, welche ethischen Richtlinien in Bezug auf maschinelles Lernens erarbeitet werden, wie wir mit den bereits bestehenden Datenmonopolen in privatwirtschaftlicher Hand umgehen, welche weiteren technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen werden und wie der virtuelle Raum in Zukunft genutzt wird.
Auffallend sind die immer kürzer werdenden Zeiträume, in denen Visionen real werden und die Menschen – aber auch Institutionen – vor die Herausforderung stellen, sich an die neuen digitalen Strukturen und Möglichkeiten anzupassen.
„Waren die Alphabetisierungskampagnen im 19. Jahrhundert eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Etablierung einer funktional differenzierten Moderne, so brauchen wir heute eine vergleichbar große Anstrengung für eine breite Digital Literacy […] für das Gelingen einer digitalen Gesellschaft. Am Ende wird uns der Wandel aber nur dann gelingen, wenn wir […] den Wandel auch ermöglichen. Wir kommen aus der Zeitgenossenschaft des Wandels nicht raus – sondern wir sind aufgefordert zu gestalten. Dafür müssen wir uns gegen die Widerstände der alten Moderne stellen, die Hindernisse aktiv aus dem Weg räumen und den Mut haben, endlich zu beginnen“ (Simon, 2022, S. 27).